Anwendung selbst gewählter Homöopathie


Homöopathie zum Gebrauch bei Kindern und in der Familie

Bei Neugeborenen, die noch gestillt werden, ist es manchmal ratsam, dass die Mutter die Arznei nimmt; das Arzneisignal erreicht ihr Kind auch so. Ansonsten sind Globuli (Zuckerkügelchen) die für Kinder beliebteste Anwendungsform der Homöopathie.

Homöopathie für Säuglinge

Selbst Muttermilch wird vom Säugling schlecht vertragen, oft wieder erbrochen: Magnesium carbonicum D6 vor dem Anlegen eine Gabe, oder bei heißem Wetter: Natrium carbonicum D12 vor dem Anlegen eine Gabe.
Durchfall mit sauer riechendem Stuhl: Magnesium carbonicum D6 nach jedem Durchfall eine Gabe, oder im heißen Sommer: Rheum D6 nach jedem Durchfall eine Gabe.
Durchfall mit faulig stinkendem Stuhl: Podophyllum D10 nach jedem Durchfall eine Gabe.
Kind schreit in der Nacht, ist bei Tage munter und wohl: Jalapa D12 abends vor dem Schlafengehen 1 Gabe, bei Bedarf bis zu stündlich.

Das Kind nimmt trotz reichlicher Nahrungszufuhr nicht recht zu: Abrotanum D6 morgens und abends 1 Gabe, oder bei zarten blonden Kindern: Calcium phosphoricum D10 morgens 1 Gabe, oder bei blassen frierenden Kindern: Silicea D12 morgens 1 Gabe.
Das Kind ist während des Zahnens verstopft: Magnesium muriaticum D10 morgens 1 Gabe.
Dickliches Kind, das spät Zähne kriegt, Laufen und Sprechen lernt: Calcium carbonicum D10 morgens 1 Gabe.

Infektanfälligkeit,Resistenzmangel

Immunität nennen wir die Fähigkeit, mit Krankheitserregern umzugehen, ohne dabei selbst zu erkranken. Wir wissen zwar, dass diese Fähigkeit von Leukozyten (weißen Blutkörperchen) und von den Gammaglobulinen im Bluteiweiß ausgeübt wird; trotzdem halte ich es für sinnvoll, sie als eine Eigenschaft des Organismus zu betrachten und sich nicht in Einzelheiten zu verlieren.

Kinder müssen diese Fähigkeit erst noch lernen und erkranken daher leichter und öfter als gesunde Erwachsene, bei denen zwei grippale Infekte im Jahr noch durchaus als normal anzusehen sind. Man muss seine Antikörper ab und zu wieder einmal auf Schwung bringen.

Fieber tritt dann bei vielen Menschen auf, aber es ist nicht die Krankheit. Es ist nur ein Symptom, das uns messbar beweist, dass ein Abwehrkampf im Gange ist. Es sind nicht die bösen Bazillen oder Viren, die das Feuer angesteckt haben, sondern es ist der Organismus selber, der mit erhöhter Temperatur mehr Energie darauf verwendet, die Erreger wieder unter Kontrolle zu bringen. Wenn wir uns während des Infekts zu Bett legen, fördern wir noch die Hitze und ersparen es dem Körper, anderswo Arbeitsenergie aufzuwenden. So geht die Heilung meist rascher. Wer heiße Bäder gut verträgt, tut oft gut daran, durch ein Überwärmungsbad Fieber von außen herbeizuführen. Man geht in die gut gefüllte Wanne mit oder ohne Duftbeigabe, hält möglichst den ganzen Leib unter Wasser, und wenn nach einer Viertelstunde das Wasser nicht mehr heiß erscheint, füllt man heißes Wasser zu. Etwa nach einer halben Stunde verlässt man (wegen des Kreislaufs sollte eine andere Person zugegen sein!) das Bad, trocknet sich rasch ab und kriecht in sein Bett unter doppelt so viele Decken wie man normalerweise nimmt. Wenn man nach einer oder zwei weiteren Stunden nicht mehr schwitzt, steht man auf, zieht sich warme Kleidung an, lüftet das Bett und setzt sich in einen Sessel. Bitte nicht gleich vom Schwitzen in den Nachtschlaf übergehen.

Es hat sich in meiner Familie bewährt, kranke Kinder nicht tagelang ins Bett zu verbannen; wir haben sie warm angezogen und sie im Hause gehalten. Wenn sie müde und schlapp sind, suchen sie ohnehin das Bett oder Sofa auf und laufen nicht im Schlafanzug herum mit breitem nacktem Streifen mitten um den Leib. Die Maßnahmen, die von Schulmedizinern üblicherweise ergriffen werden, haben wir gewöhnlich nicht mitgemacht, nämlich:

  1. Keine Tropfen zur Abschwellung der Nasenschleimhaut. Die schaffen zwar besser Luft, haben aber den Nachteil, dass sie den Prozess der Auseinandersetzung mit dem Virus eher in die Länge ziehen (auf Sparflamme gar kochen). Wenn die Nase denn so zugeschwollen ist, dass man keinen Schlaf bekommt, dann allenfalls am Abend die Tropfen in die Nase sprühen oder tropfen. Besser als die erzwungene Abschwellung scheinen mir biologische Nasentropfen wie Luffa-Nasentropfen (DHU; bei Drucklegung allerdings - hoffentlich vorübergehend - nicht lieferbar) oder Euphorbium compositum Nasenspray (HEEL) oder Nasenbalsam (WALA) oder Schnupfencreme (WELEDA) oder Coldastop.
     
  2. Keine Desinfektion der Mundhöhle, auch nicht, wenn diese mit schmerzlindernden Substanzen kombiniert ist. Die desinfizierende Wirkung erreicht nämlich nur die Mundhöhle und einen Teil des Rachens, nicht aber die Kehle und die Nasenhöhle. Nach etwa zwei Stunden werden von dort die Erreger die Mundhöhle neu besiedeln, und natürlich die frechsten (vitalen, virulenten) vorneweg. Man hat also neben den Krankheitserregern auch die altgewohnten eigenen Bakterien abgetötet und damit den unerwünschten Eindringlingen freie Bahn geschaffen. Außerdem spielt sich der Kampf zwischen körpereigener Abwehr und Erregern nicht so sehr an der Oberfläche der Mundschleimhaut ab, sondern tiefer im Gewebe, das man mit Desinfektionsmitteln gar nicht erreicht. Der wesentliche Nutzen von Desinfektion im Mund betrifft die Personen in der Umgebung des Kranken, die von der Tröpfcheninfektion aus dem Mundraum besser geschützt sind.
     
  3. Keine ständige Senkung des Fiebers. Wie schon gesagt: das Fieber ist nicht die Krankheit. Es ist bekannt, dass die Anzahl von Viren im Blut sich enorm steigert, wenn das Fieber des Kranken abgeblockt wird. Freilich mindern die gleichen Substanzen nicht allein das Fieber, sondern auch Schmerzen. Wenn dazu homöopathische Mittel nicht ausreichen, braucht man nicht fanatisch jede Linderung abzulehnen. Wir haben meist zur Nacht unseren Kindern fiebersenkende Zäpfchen appliziert; dann drehten sie ihr Temperament noch einmal kurz und heftig auf, bevor sie in einen guten Nachtschlaf fielen. Der kam ihnen ebenso wie den Eltern und Geschwistern zugute. Am anderen Tag durften sie dann wieder fiebern, wenn ihr Körper es nötig hatte.
     
  4. Antibiotische Mittel sind nach Möglichkeit zu vermeiden. Es handelt sich dabei um Substanzen, die vom Menschen durchweg gut vertragen werden, in seinem Inneren aber Bakterien lähmen oder sogar töten. Das erste Antibioticum war Penicillin, etwa 1928 von dem Engländer Alexander Fleming entdeckt. Wenig später führte der Deutsche Gerhard Domagk die Sulfonamide zum gleichen Zweck in die Therapie ein. Antibiotica haben viele Menschenleben gerettet; das können sie auch heute noch tun. Man sollte sie immer dann einsetzen, wenn es um Leben oder Tod geht. Aber besser auch nur in solchen Fällen. Durch Vernichtung der Krankheitserreger nehmen sie dem Kranken die eigentliche Arbeit ab; er ist nach der raschen Heilung aber um nichts gesünder geworden. Die so abgebrochene Krankheit hinterlässt keine Immunität. So sehen wir heute Kinder, die in ein paar Jahren den Scharlach mehrfach bekommen und immer von neuem ein Penicillin erhalten. Schlimmer noch ist der Umstand, dass unter den Bakterien die gegen Antibiotica empfindlichen Stämme konsequent ausgerottet werden, während sich die resistenten Stämme ausbreiten, denen Antibiotica kaum mehr beikommen können. Deshalb sind oft Infekte, die man sich in Krankenhäusern holt, besonders gefährlich: die perfekte Hygiene im Krankenhaus lässt nur den ganz resistenten Bakterien eine Chance.

Leider hat sich herausgestellt, dass auch Antibiotica Nebenwirkungen auf Menschen haben können, insbesondere Allergien auslösen und das blutbildende System schädigen können. Es scheint aus diesen Gründen ratsam, Antibiotica nur zu verabreichen, um eine ernsthafte Bedrohung an Leib und Leben abzuwenden. Viruskrankheiten (wie z.B. Grippe) sind ohnehin durch Antibiotica nicht zu beeinflussen. Das liegt daran, dass die Viren sich nicht selbst vermehren, sondern die Zellen des Wirtsorganismus dazu verführen, neues Virus aufzubauen. Nun sieht es zwar so aus, als ob es der Wissenschaft in Zukunft gelingen könnte, auch dagegen etwas auszurichten, doch ist damit zu rechnen, dass sich auch auf diesem Gebiet dann ähnliche Probleme ergeben werden. Manche Ärzte verordnen auch bei Virusinfekten Antibiotica, um eine mögliche Superinfektion zu verhindern. Die Bakterien könnten sich ja die durch Viren geschwächte Situation zu Nutze machen. Zweifellos besteht diese Möglichkeit, doch ist die gegenteilige Wirkung auch nicht auszuschließen, dass nämlich die Viren umso leichteres Spiel mit uns haben, wenn man ihnen die bakterielle Konkurrenz ausschaltet.

Die vorbeugenden homöopathischen Arzneien sind über lange Zeit (Monate) regelmäßig zu nehmen, auch wenn keine aktuellen Beschwerden bestehen.

Immer wieder Schnupfen, insbesondere durch Nässe (feuchte Wohnung, Regenwetter, nasses Klima in Flusstälern, Nebel): Dulcamara D30 morgens 1 Gabe.
Bei häufig rückfälliger Mandelentzündung, besonders wenn man gegen das Einatmen kalter Luft anfällig ist: Rumex D30 morgens 1 Gabe.
Bei immer wieder auftretender Heiserkeit, besser bei Aufenthalt an der See: Bromum D30 morgens 1 Gabe.
Wenn etwas mollig gebaute Kinder oder Große immer wieder Husten kriegen: Calcium carbonicum D12 morgens 1 Gabe. Wenn magere, frierende Menschen immer wieder Husten kriegen: Silicea D12 morgens 1 Gabe.
Bei immer wieder neuen Harnwegsinfekten (z.B. Blasenentzündungen): Colibacillinum D30 morgens 1 Gabe.

Für die "banalen Infekte", wie sie auch gesunde Erwachsene durchaus zweimal im Jahr durchmachen können und Kinder meistens häufiger, empfiehlt sich aus den genannten Gründen gewöhnlich die

Homöopathische Behandlung banaler Infekte

Wenn der Infekt stürmisch beginnt (oft infolge trocken-kalten (Ost-)Windes, die Haut trocken, rot und heiß ist, Herzklopfen und Angst vorliegen: Aconitum D10 bis zu halbstündlich 1 Gabe.
Wenn die Haut rot, aber schweißnass erscheint, die Pupillen weit sind und Ängstlichkeit und Fieber sich gegen Abend steigern: Belladonna D6 etwa halbstündlich 1 Gabe.
Wenn das Fieber geringer steigt, die Haut im Wechsel rot und blass wird, auch wenn Ohrenschmerzen hinzukommen: Ferrum phosphoricum D12 bei Beschwerden etwa stündlich 1 Gabe.
Wenn der Kranke benommen erscheint, Kopf- und Gliederschmerzen auffällig sind, kaum Durst vorliegt und Wärme als unangenehm empfunden wird: Gelsemium D10 bei Beschwerden etwa stündlich 1 Gabe.
Wenn die Haut kaum rot wird, aber Gliederschmerzen und Empfindlichkeit gegen kalte Luft auftreten, und alle Beschwerden am Morgen stärker erscheinen: Eupatorium perforatum D6 bei Beschwerden etwa stündlich 1 Gabe.

Die homöopathische Pharmazeutik hält zur Behandlung der banalen Infekte eine ganze Reihe von homöopathischen Komplexpräparaten bereit, die im akuten Fall meist rascher zu beschaffen sind als die Einzelmittel.

Tonsillenhypertrophie (vergrößerte Mandeln)

Diese Schwellung des lymphatischen Gewebes findet sich bei vielen Kindern. Der Verdacht, Zucker und Süßigkeiten trügen wesentlich dazu bei, scheint wohl begründet. Eltern und Großeltern sollten besser ihre Liebe auf andere, unschädliche Weise zum Ausdruck bringen.

Sind die Rachenmandeln betroffen, wird nicht nur die Nasenatmung behindert, sondern auch das Hören erschwert, weil die eustachische Röhre zur Lüftung des Mittelohrs im Rachen verlegt wird. Es werden zwei chirurgische Eingriffe angeboten: in die Trommelfelle werden Röhrchen eingefügt, sodass die Paukenhöhle von außen belüftet wird; das Hören ist damit wieder möglich. Die andere Möglichkeit ist die Entfernung der Rachenmandel (Adenoide). Da die HNO- Ärzte gelernte Chirurgen sind, sind sie gewöhnlich gern zu diesen Eingriffen bereit.

Wenn man die Störungen schon erkennt, wenn sie sich noch anbahnen, kann man oft homöopathisch die Eingriffe überflüssig machen.

Bei untergewichtigen, ermüdbaren Kindern: Calcium phosphoricum D6 morgens 1 Gabe.
Wenn außer den Mandeln auch die Hals-Lymphknoten geschwollen sind: Sulfur jodatum D6 morgens 1 Gabe.
Wenn das Kind Wärme schlecht haben kann und trotz starkem Appetit mager bleibt: Calcium jodatum D12 morgens 1 Gabe.
Wenn das dickliche Kind gegen feuchte Kälte empfindlich ist: Barium carbonicum D12 morgens 1 Gabe.

Mandelentzündung (Tonsillitis)

Am Eingang unserer Atemwege haben wir die Rachenmandel, am Eingang des Speiseweges die Gaumenmandeln. Beide gehören zu den lymphatischen Organen, in denen der Organismus gewissermaßen Maß nimmt, ob er den dort eindringenden Bakterien gewachsen ist. Ist er das nicht, so wird er mit einer Entzündungsreaktion antworten, bei der er sich anstrengt, auch virulenten Bakterien erfolgreich zu begegnen. Es gelingt nicht immer, aber doch meistens. Die Symptome sind Schwellung, Rötung und Schmerz der Mandeln, insbesondere beim Schlucken. Nicht selten sieht man eitrige Beläge auf den Mandeln. Eiter besteht aus abgestorbenen Leukozyten, ist also ein Zeichen erfolgloser Abwehr. Solange der Eiter jedoch abfließen kann, ist die Gefahr noch gering; schlimm wird es, wenn durch Narbenbildung oder aus anderen Gründen der Eiter nicht herauskann, dann besteht auch die Gefahr, dass Herz oder Nieren befallen werden. Dann sind die Mandeln zum "Herd" geworden. Wie dringlich die Gefahr gesehen wird, muss wohl der verantwortliche Arzt entscheiden.

Ich habe es mir zur Regel gemacht, mit einfachen Tests (Abhorchen des Herzens, Schütteln der Nierenlager, Urinuntersuchung) ein gewisses Maß an Sicherheit zu gewinnen. Dabei habe ich nur ganz selten zu Antibiotica Zuflucht nehmen müssen. Wenn die Heilung ohne sie homöopathisch gelingt, bedeutet das für den Patienten ein Plus an Gesundheit und für die Zukunft eine verbesserte Abwehrkraft. Das gilt auch für die

Angina, den Rachenkatarrh, die häufiger vorkommt als die echte Mandelentzündung, auch dann noch, wenn die Mandeln bereits chirurgisch entfernt worden sind. Ihre Symptome sind die Rötung und Schwellung an Gaumen und Rachen sowie Schmerzen, die sich beim Schlucken verschlimmern. Zur homöopathischen Behandlung kommen in Betracht:
Wenn die Schwellung blass, rosa aussieht, kaum Durst besteht, und Wärme die Schmerzen verschlimmert: Apis D12 bis zu zweistündlich 1 Gabe.
Bei hochrotem Rachen und Gesicht, klopfendem Schmerz, der sich durch Kälte verschlimmert, mit berührungsempfindlichem Hals: Belladonna D6 bis zu halbstündlich 1 Gabe.
Wenn der Rachen düsterrot ist und trocken erscheint und der Schmerz sich zum Ohr hinzieht: Phytolacca D6 bis zu zweistündlich 1 Gabe.
Wenn Mandeln, Gaumen und Zunge stark geschwollen sind, die Zunge belegt ist und Speichelfluss mit üblem Mundgeruch besteht sowie Durst und Schweiße: Mercurius solubilis D12 viermal täglich vor dem Essen und Schlafen 1 Gabe.

Typische Kinderkrankheiten

Kinderkrankheiten sind Infektionskrankheiten, die so ansteckend sind, dass man ihnen kaum entgehen kann, bevor man das Erwachsenenalter erreicht hat. Wenn man sie einmal richtig durchgemacht hat, ist man meist für den Rest des Lebens immun.

Scharlach

wird durch haemolytische Streptokokken hervorgerufen. Bei typischem Verlauf tritt ein Ausschlag von kräftigem Rot am ganzen Körper auf, der nur die Umgebung des Mundes ausspart (Milchbart). Auch um den Gaumenbogen findet sich die Rötung, während die Zunge himbeerartig aufgequollen erscheint. Das Toxin des Erregers kann leicht auch das Mittelohr, das Herz und die Nieren schädigen. Bis etwa 1945 war Scharlach eine lebensgefährliche Krankheit, ist aber in den Jahren danach weit milder verlaufen. Oft erkennt man erst Wochen nach der Erkrankung den Scharlach daran, dass sich die Oberhaut an den Stellen des Ausschlags oberflächlich abstößt (pellt).

Homöopathisch ist das Hauptmittel: Belladonna D12 viermal täglich vor dem Essen und Schlafen 1 Gabe, bei Angst, Fieber, Schweiß auch stündlich 1 Gabe.

Die Erreger sind auch heute noch antibiotisch leicht in den Griff zu kriegen, Penicilline töten sie mit großer Sicherheit. Und die Anwesenheit von Streptokokken ist in einem Abstrich und Schnelltest bequem nachgewiesen. Schon nach wenigen Tagen können die so behandelten Kinder die Schule wieder besuchen, ohne dass Gefahr besteht, dass sie die Klassenkameraden anstecken. Diese Methode hat nur einen Machteil: die Erreger sind zwar weg, aber es hat sich keine Immunität entwickeln können. Bei der nächsten Begegnung mit demselben Keim tritt erneut Scharlach ein.

In dieser Hinsicht stehe ich mit meinen Patienten vor einem Dilemma. Oft genug verlangen Schulen oder Kindergärten den negativen Abstrich vor der Wiedereingliederung des Kindes, weil nur das hinreichende Sicherheit böte. Nach meiner Auffassung gewährt der selbst geheilte Scharlach (ohne die Gefahr einer Allergie und Störung des bakteriellen Gleichgewichts) langfristig die bessere Sicherheit. Aber davon sind Behörden schwer zu überzeugen.

Diphtherie

Der Erreger ist ein Bakterium, das durch sein Gift lebensbedrohlich krank macht. Die Schutzimpfung ist ratsam, weil zu befürchten ist, dass der Erreger wieder nach Deutschland eingeschleppt wird. Ärztliche Behandlung muss unbedingt sein, doch kann man darüber hinaus örtlich im Rachen homöopathisch Erleichterung erzielen mit:
Mercurius cyanatus D12 viermal täglich vor dem Essen und Schlafen 1 Gabe.

Masern

Diese Viruskrankheit kann lebensgefährlich werden, zumal wenn man sie nicht in der frühen Kindheit durchmacht. Man kann dagegen eine Schutzimpfung bekommen, die jedoch das ganze Leben hindurch alle 10 Jahre aufgefrischt werden muss. Der Verlauf pflegt bei Erwachsenen schlimmer zu sein als bei Kleinkindern. Homöopathisch kann man symptomatisch zur Linderung beitragen bei
Reizzustand der Augen (Zimmer halbdunkel halten): Euphrasia D10 bis zu stündlich 1 Gabe.
Fließschnupfen: Cepa D12 bis zu stündlich 1 Gabe.
Husten: Bryonia D10 etwa alle 2 Stunden 1 Gabe.

Röteln

Auch die Röteln sind eine Viruskrankheit, die im Kindesalter meist mild verläuft. Sie wird erst gefährlich, wenn eine Schwangere daran erkrankt, weil das Kind in ihrem Leibe die Krankheit mitmacht und dadurch missbildet werden kann, insbesondere an den Augen (Blindheit). Eine Schutzimpfung wird angeboten, es will mir aber nicht einleuchten, dass auch Jungen sie erhalten sollten. Mädchen sollten die Impfung erhalten, bevor sie in die Pubertät kommen, wenn sie die Röteln nicht schon durchgemacht haben. Eine Auffrischung scheint nicht erforderlich zu sein.
Gegen die Schwellung der Lympfknoten kann man homöopathisch geben: Badiaga D10 morgens und abends 1 Gabe.

Mumps

Mumps, Ziegenpeter oder Parotitis heißt eine Viruskrankheit, die im frühen Kindesalter milde verläuft und eine schmerzhafte Entzündung der Speicheldrüsen hervorruft. Auch die Bauchspeicheldrüse kann betroffen sein, und bei erwachsenen Männern können sich die Hoden so heftig entzünden, dass Unfruchtbarkeit die Folge ist. Hat man die echte Krankheit als Kind durchgemacht, dann ist man fürs Leben immun dagegen. Es scheint mir am sinnvollsten, Jungen vor der Pubertät zu impfen; die Impfung bietet jedoch nur dann zuverlässigen Schutz, wenn sie alle 10 Jahre aufgefrischt wird.
Man kann den Krankheitsverlauf homöopathisch erleichtern durch täglich 2 Gaben von abwechselnd:
Mercurius solubilis D12 und Trifolium pratense D6.

Kinderlähmung

Auch die Poliomyelitis ist eine Viruskrankheit, die vielen Menschen dauerhafte Lähmungen hinterlassen hat. Man kann eingetretene Lähmungen nicht mehr heilen, aber durch Schluckimpfungen kann man sie zuverlässig verhindern. Die Impfung muss allerdings auch alle 10 Jahre aufgefrischt werden. Selbstmedikation bei Polio ist nicht zu empfehlen.

Windpocken und Gürtelrose

Varicellen und Herpes zoster werden vom gleichen Virus hervorgerufen. Das Virus hat seinen Namen davon, dass es keiner Tröpfcheninfektion bedarf, sondern sich wie mit dem Winde ausbreitet. Die Windpocken erkennt man daran, dass sich über mehrere Tage immer neue Pöckchen bilden, auch auf dem behaarten Kopf. Das Kind sollte unbedingt das Kratzen vermeiden, da sonst Bakterien in die offenen Bläschen eindringen können und zur Eiterung führen, die dauerhafte Narben hinterlässt.
Man kann die Abheilung des Pöckchen fördern,
Wenn sie von einem dunkelroten Hof umgeben sind: Rhus toxicodendron D12 morgens und abends 1 Gabe.
Wenn das Jucken besonders nachts unerträglich wird: Mezereum D10 viermal täglich vor dem Essen und Schlafen 1 Gabe.

Herpes zoster, die Gürtelrose, besteht aus Gruppen kleiner Bläschen, die sich genau im Bereich einer Nervenwurzel (nur auf einer Körperhälfte) ausbreiten. Sie sind die zweite Auseinandersetzung mit dem Windpockenvirus; es liegt nicht an dem neuen Virusbefall, sondern am Verlöschen der schon gehabten Immunität. Daher sind sie auch nicht ansteckend. Weil die Gürtelrose häufig sehr hartnäckige, quälende Neuralgieschmerzen hinterlässt, sollte man möglichst sogleich einen homöopathischen Arzt konsultieren und sich nicht auf die Selbstmedikation verlassen. Trotzdem kann man zur Heilung beitragen.
Wenn die Schmerzen durch Waschen schlimmer werden: Mezereum D10 morgens und abends 1 Gabe.
Wenn die Schmerzen genau dem Verlauf des befallenen Nerven folgen: Hypericum D30 abends 1 Gabe.

Impfungen

Impfungen sind zweifellos segensreich gewesen, aber nicht ganz unproblematisch. Da in der öffentlichen Diskussion die Kritik am Impfwesen kaum zu Worte kommt, bringe ich hier eine Übersicht von einem erfahrenen und gewissenhaften homöopathischen Kinderarzt.

Vor ungefähr 200 Jahren hat der englische Arzt Jenner erstmalig gegen eine Seuche Impfungen durchgeführt, nämlich gegen die schwarzen Pocken. Vorher sind etwa ein Viertel bis zu einem Drittel aller Kleinkinder dieser Seuche zum Opfer gefallen. Seit mehreren Jahren wird die Pockenimpfung nicht mehr benötigt, da allem Anschein nach das Virus ausgerottet ist. Auch Diphtherie, Kinderlähmung, Tuberkulose und andere lebensbedrohliche Infektionskrankheiten haben heute viel von ihrem Schrecken verloren. Das ist nicht nur deshalb so, weil in Europa kaum mehr gehungert wird, weil sich durch Antibiotika viele Krankheitserreger beherrschen lassen, weil Kühltechnik den Verderb von Lebensmitteln hindert, sondern auch infolge der hoch entwickelten Impftechnik.

Impfungen macht man

  1. mit lebendigen Erregern, die so abgeschwächt sind, dass sie kaum krank machen, aber die Bildung von Antikörpern im Organismus hinreichend veranlassen. Einige kann man schlucken (gegen Typhus, Kinderlähmung), andere müssen injiziert werden (Tuberkulose, Masern, Mumps, Röteln).
     
  2. mit abgetöteten Erregern, so gegen das Gelbfieber, Tollwut, FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis), Cholera.
     
  3. mit den Giften, durch die Erreger den Menschen bedrohlich werden, so gegen Diphtherie und Tetanus.
     
  4. mit Teilprodukten der gespaltenen Erreger, so der Grippe-Impfstoff, der neue Keuchhusten-Impfstoff und der gegen HIB (Haemophilus Influenzae Bazillus).

Allen Impfungen ist gemeinsam, dass sie das Immunsystem des Menschen beeinflussen. Bei allen Impfungen Nebenwirkungen und Impfschäden möglich, auch Dauerschäden. Und es besteht Grund zu der Vermutung, dass das Immunsystem auch unerwünscht auf die Manipulationen reagiert mit Allergien, wo Symptome auftreten auf Allergene, die ein gesunder Organismus nicht einmal bemerkt. Allergische Krankheiten sind u.a. Nesselsucht, Ekzem, Neurodermitis, Heuschnupfen, Asthma, Colitits mucosa. Dieser vermutete Zusammenhang ist nicht erwiesen, wird auch bisher in der wissenschaftlichen Medizin noch nicht beforscht.

Was wir von Impfungen erwarten, ist Sicherheit: sicher zu sein vor bedrohlichen Seuchen. Was wir lieber vermeiden wollen, ist das Risiko von Nebenwirkungen und evtl. allergischen Erkrankungen.
Eine absolute Sicherheit kann nicht verbürgt werden.

Nach den mir vorliegenden Äuperungen eines erfahrenen homöopathischen Kinderarztes scheinen notwendig (weil Ausbruch der Krankheit gefährlich und Impfrisiko gering) Imfungen gegen Polio, Diphtherie, Tetanus, in den ersten beiden Lebensjahren auch HIB.
FSME bei Reisen in die endemisch verseuchten Gebiete.
Grippe-Impfung bei durch Grippe sehr Gefährdeten: Asthmatikern, Greisen.
Gegen Röteln sollte zweckmäßig bei Mädchen geimpft werden, bevor sie schwanger werden können, also mit etwa 12 Jahren. Wenn eine Schwangere sich mit Röteln infiziert, ist ihr Kind in großer Gefahr, missbildet zu werden.

Von fraglichem Wert scheinen: Masern, Mumps. Die Krankheiten in der Kindheit durchgemacht zu haben, schützt für das Leben. Es besteht zwar die Gefahr, einer sehr selten auftretenden Enzephalitis zu erliegen; die Gefahr bei nicht aufgefrischter Impfung als Erwachsener schwerer als Kinder zu erkranken, ist auch nicht zu unterschätzen. Fraglich ist auch der Nutzen der Impfungen gegen Cholera und Typhus, weil sie nahezu unwirksam sind.

Als Ihr Arzt kann ich Ihnen die Entscheidung nicht abnehmen; weder kann ich die Verantwortung übernehmen, Sie oder Ihr Kind ungeschützt zu lassen, noch dafür bürgen, dass kurzfristig oder langfristig keine Impfschäden auftreten.

Rekonvaleszenz, die Genesungsphase

Nach Überwindung der Krankheitserreger ist die Gesundheit noch nicht wieder voll hergestellt. Zur homöopathischen Hilfe empfehlen sich:
Bei Appetitlosigkeit: Calcium phosphoricum D12 dreimal täglich vor dem Essen 1 Gabe.
Bei zu raschem Puls und bald einsetzender Erschöpfung: Crataegus 0 oder D3, dreimal täglich mit dem Essen 1 Gabe (10 Tropfen).
Bei vorwiegend geistiger Erschöpfung und nervöser Reizbarkeit: Kalium phosphoricum D12 viermal täglich vor dem Essen und Schlafen 1 Gabe.
Bei überempfindlichen Sinnesorganen; schon geringe Geräusche hindern am Schlafen. Insbesondere nach Verlust von Körpersäften, etwa Blutungen, Schweiße, Erbrechen, Durchfälle: China D12 abends vor dem Schlafengehen 1 Gabe. die viertelstündlich wiederholt werden kann.
Bei auffälliger Benommenheit, körperlicher und geistiger Schwäche: Scutellaria D10 bis zu dreimal täglich vor dem Essen 1 Gabe.
Bei Frostigkeit mit ständigem Frieren: Calcium silicatum D10 morgens und abends 1 Gabe.
Für Menschen, die ganz abgespannt sind, trotzdem aber keinen Schlaf finden; Unruhe der Beine: Zincum D12 abends vor dem Schlafengehen 1 Gabe, die halbstündlich wiederholt werden kann.

Reisekrankheit

Nachzusehen bei den Erkrankungen von Magen und Darm.

Auf dem Sterbebett

Auch der Tod gehört zum Leben; er ist so gefürchtet wie unvermeidlich. Wenn man es erst über sich gebracht hat, sich in sein Schicksal zu ergeben, wird das Sterben leichter. Man hört immer häufiger den Wunsch, dass Menschen in vertrauter häuslicher Umgebung ihr Leben beschließen möchten, ohne noch die Intensivmedizin zu bemühen. Auch dabei kann Homöopathie noch hilfreich sein:

Bei Hinfälligkeit mit großer Angst, schlimmer nach Mitternacht. Der Sterbende möchte warm zugedeckt sein, wünscht aber, dass das Fenster offen steht: Arsenicum album D15 oder D30, je nach Befinden etwa stündlich 1 Gabe.
Kälte des Körpers, eingefallenes bläuliches Gesicht, kalter Schweiß, Atembeklemmung mit dem Verlangen, Luft zugefächelt zu bekommen: Carbo vegetabilis D12 bis D30, bis zu viertelstündlich 1 Gabe.
Benommenheit, röchelnder Atem, rotes Gesicht und weite Pupillen: Opium D30 etwa stündlich 1 Gabe.
Sepsis (so genannte Blutvergiftung, in Wirklichkeit eine Überschwemmung des ganzen Körpers mit Bakterien) mit Hinfälligkeit, großer Angst und Unruhe, massiven Schweißen und lebhaftem Brennschmerz: Tarantula cubensis D12 oder D30 etwa viertelstündlich 1 Gabe.
Kalte Schweiße, blasses Gesicht, Zyanose (bläulich verfärbte Haut), Frieren: Veratrum album D12 bis D30 etwa viertelstündlich 1 Gabe.