Die Homöopathie

Wie kommt man an homöopathische Arznei?

Homöopathische Arzneien sind apothekenpflichtig, d. h. man bekommt sie nur in Apotheken. Jeder Apotheker hat zwar gelernt, wie die Arzneien zu gewinnen und anzufertigen sind, doch ist es im Allgemeinen unzumutbar, für den geringen Preis so umständliche Prozeduren auf sich zu nehmen. Jeder Apotheker ist verpflichtet, neben den allopathischen auch homöopathische Arzneien zu führen. Und was er nicht im Vorrat hat, kann er meist in kurzer Zeit beschaffen. Es gibt in Deutschland nur noch wenige pharmazeutische Firmen, die im großen Maßstab homöopathische Mittel herstellen, das sind die DHU (Deutsche Homöopathie-Union) in Karlsruhe und die Staufen-Pharma in Göppingen; beide haben ein gut organisiertes Verteilernetz.

Während sonst überall in der Welt die Hahnemannischen Centesimalpotenzen (unter den Bezeichnungen C6, 6CH oder 6H = Centesimale nach Hahnemann) üblich sind, hat man in Deutschland jahrzehntelang auf Dezimalpotenzen gesetzt, also etwa D6. Damit lässt sich besonders unter den Tiefpotenzen leicht variieren. Rechnerisch entspricht eine D12 an Verdünnung genau der C6; nur dass erstere 12 Potenziervorgängen unterworfen wurde, letztere nur 6.

Allem Anschein nach ist die homöopathische Wirkung nicht streng dosisabhängig. Wenn die Ähnlichkeit stimmt, kommt das Signal über und der behandelte Organismus wird aktiviert. Gewöhnlich wird man bei langwieriger Erkrankung und bei zart reagierenden Personen höhere Potenzen wählen. Aber wichtiger als die Potenz ist die Richtigkeit des Signals. Ob der Straßenverkehr bei rotem Signal stillsteht und bei grüner Ampel sich bewegt, hängt überhaupt nicht von der Größe der Ampel ab: sie muss nur gesehen werden. Fahren tun die Autos mit eigenem Antrieb, so wie es auch der behandelte Patient ist, der in Antwort auf das krankheitsähnliche Signal seine ihm innewohnenden Heilkraft in Gang setzt und gesund wird.

Man bekommt in jeder Apotheke die homöopathische Heilmittel in Form von Tropfen, Kügelchen, Tabletten und in Ampullen. Je häufiger eine Apotheke homöopathisch in Anspruch genommen wird, desto rascher und zuverlässiger wird sie das Verlangte liefern können. Auch auf "Kassenrezept", jedenfalls die Einzelmittel. Schwierigkeiten wird es allenfalls bei fragwürdigen Komplexen geben, von denen manche mit unseriöser Werbung und erheblich überteuert auch unter der Flagge der Homöopathie segeln möchten. Unter den Apothekern gibt es einige, die die Homöopathie gut kennen und schätzen gelernt haben. Trotzdem ist der von der Werbung so weit verbreitete Rat "Lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker" meist besser nicht zu befolgen.

In den Tropfen ist zumeist 37 %-iger Alkohol enthalten; in einigen Tiefpotenzen auch noch stärkerer. Der Alkohol dient der besseren Lösung des Wirkstoffs, außerdem konserviert er die Arznei. Sie ist in Alkohol Jahre bis zu Jahrzehnten haltbar, jedenfalls in höheren Potenzen (etwa ab D6 oder C4). Das seit einiger Zeit vom Hersteller aufgedruckte Verfallsdatum ist nicht etwa ein wissenschaftlich nachgewiesener Zeitpunkt, an dem die Wirkung in Verlust gerät, sondern den Herstellung per gesetzlicher Verordnung auferlegt worden. Fühlen Sie sich frei, an den datumsabhängigen Verfall zu glauben oder auch nicht. Tropfen haben den Vorteil, dass man sie selbst weiter potenzieren kann, sei es in alkoholiscer Lösung, sei es in Wasser. Man nimmt dazu ein Tropfgläschen, gibt ein Zehntel (Hundertstel) der vorhandenen Potenz hinein und füllt mit neun Zehnteln (99/100) Alkohol oder Wasser auf. Wenn man keine so genaue Waage hat, kann man die Tropfen abzählen. Dann verschließt man das Glas und schüttelt es kräftig zehn Mal gegen ein derbes Buch - schon hat man die nächsthöhere Dezimal- bezw. Centesimal-potenz hergestellt. Da sie sich in Wasser nicht so lange hält, bewahrt man sie im Kühlschrank auf und verwirft sie, sobald sie muffig oder trübe wird.

Tabletten sind in Milchzucker verriebene Potenzen; sie sind etwa auf Reisen bequemer mitzunehmen. Einige nicht lösliche Arzneien sind bis zur D6 nur als Tabletten lieferbar (wie z.B. Aurum, das Gold).

Globuli sind Kügelchen aus Rohrzucker, denen die homöopathische Arznei aufgetropft worden ist. Weil sie so angenehm süß schmecken, sind sie besonders in der Kinderpraxis beliebt.

Ampullen sind zur Injektion gedacht, ihr Inhalt kann aber auch eingenommen werden. Ich habe oft Gebrauch davon gemacht, um Arznei dorthin zu bringen, wo ihre Wirkung besonders erwünscht war; dabei kam mir die Kenntnis der Akupunktur-Punkte sehr zugute. Da die eigentliche Arznei ja hoch verdünnt ist und die Lösungsflüssigkeit aus Meerwasser besteht, das die gleiche Mineralkonzentration aufweist wie unser Blut (isotonisch ist), löst man mit der Injektion keinen unnötigen Schmerz aus.

Vergiftung; Wenn unsere Arznei nicht nur zur Heilung führt, sondern auch unerfreuliche Folgen zeitigt, sprechen wir von Nebenwirkungen. Infolge der nur indirekten Wirkung homöopathischer Arznei gibt es kaum je einmal eine unerwünschte Nebenwirkung. Eher schon kommt es vor, dass Krankheitserscheinungen, die gar nicht erwähnt oder geklagt wurden, beiläufig ebenfalls gebessert wurden.

Alle hier besprochenen Eigenschaften führen dazu, dass zur Selbstmedikation die homöopathische Arznei in besonderer Weise geeignet ist. Die Homöopathie zu erlernen ist nicht ganz einfach, aber auch Laien gut möglich. Es handelt sich zweifellos nicht um kritiklos anwendbare Wundermittel, wohl aber um Heilmittel von gutem Heil- und geringem Gefährdungspotenzial.