Die Homöopathie

Nutzen und Gefahren bei homöopathischer Behandlung

Der wesentlichste Nutzen einer homöopathischen Therapie besteht darin, dass der Kranke zur Selbsthilfe angeregt wird. Damit trainiert er einen gesunden Umgang mit Krankheitserregern und anderen gesundheitlichen Störfaktoren.

Die Einnahme der homöopathischen Arznei ist angenehm und unproblematisch. In den höheren Verdünnungsgraden schmeckt man den Wirkstoff nicht heraus. Die Pharma-Firmen, die homöopathische Arzneien herstellen, stellen viele Potenzen als Tabletten zur Verfügung. Ihre Grundsubstanz besteht aus Milchzucker. Auch die Tropfen (in alkoholischer Lösung) in Trinkwasser gut zu nehmen (wenn man befürchten muss, dass das Leitungswasser chloriert ist, lässt man es einige Minuten kochen und bewahrt sich dieses Wasser zum Auflösen der Arznei im Kühlschrank auf). Der Alkohol dient nicht allein der Lösung, sondern auch der Konservierung. Potenzen sind nicht minder wirksam, wenn sie in Wasser gelöst sind, nur weniger haltbar. Bei Kindern sind die Globuli (Kügelchen aus Rohrzucker) sehr beliebt. Selbst wenn es zweckmäßig sein sollte, ein homöopathisches Mittel zu spritzen, wird die Injektion nicht sonderlich wehtun, weil die Arzneien in isotonischem Meerwasser gelöst sind, das im Gewebe keinen örtlichen Reiz auslöst.

Wenn das gewählte Mittel der Krankheit nicht hinreichend ähnlich ist, wird in aller Regel nichts Nachteiliges passieren. Infolge der Verdünnung kommt es nicht zur direkten Giftwirkung; selbst wenn Kinder ein ganzes Fläschchen mit Kügelchen geleert haben, besteht kein Grund zur Sorge. Auch während der Schwangerschaft wird das Kind im Leibe der Mutter nicht gefährdet, da es keine ähnliche Krankheit hat, die bei Einnahme von Arznei anspräche. Lediglich die Tiefpotenzen, die im Handel durch roten Druck des Namens gekennzeichnet sind, sollte man nicht unkritisch zu sich nehmen und erst recht nicht Kindern zugänglich aufbewahren.

Wenn dagegen die Mittelwahl richtig war, aber die Beschwerden sich nach Einnahme verschlimmern, dann hat man die Potenz vermutlich zu tief gewählt. Man sollte die Gabe nicht wiederholen, sondern abwarten, bis die Erstverschlimmerung abklingt und einer Besserung weicht. Schon die übliche Bezeichnung "Erstverschlimmerung" deutet darauf hin, dass es sich um keinen Dauerschaden handelt. Dass der Organismus auf die Arznei angesprochen hat, zeigt, dass er von diesem arzneilichen Signal angesprochen wird. Es ist also angezeigt, die Potenz der nächsten Gabe spürbar höher zu wählen.

Eine gewisse Gefahr kann bei Selbstmedikation mit einer homöopathischen Therapie ausgehen, wenn dadurch eine unbedingt notwendige Behandlung versäumt und womöglich die Krankheit verschleppt oder der Zeitpunkt der noch möglichen Heilung versäumt wird. Das kann natürlich auch dann passieren, wenn man beim Arzt oder Heipraktiker an einen Stümper geraten ist, aber das ist bei allopathischer Behandlung ja ebenfalls möglich und dann noch riskanter.

Ob eine andere Therapie unbedingt notwendig ist, - da stellt sich die Vertrauensfrage. Leider sind allopathische (nicht-homöopathische) Ärzte kaum je mit den Möglichkeiten und Chancen der Homöopathie vertraut, sodass sie diese Alternative weder kennen noch anerkennen. Dagegen haben auch homöopathische Ärzte ihre schulgerechte Ausbildung erhalten und wissen so eher, was die konventionelle Medizin anzubieten hat. Aus meiner eigenen ärztlichen Erfahrung kann ich sagen, dass ich nur ganz selten Antibiotica für meine Patienten benötigt habe; aber dazu ist mir der Mut auch erst nach und nach gewachsen, der eigenen Erfahrung mehr zu vertrauen als dem im Studium erworbenen Wissen. Um einen klugen Freund zu zitieren: Wir kochen alle mit Wasser, aber die Koryphäen sogar mit sehr viel Wasser. Ich gebe diese Erfahrung weiter, ohne freilich zu riskanten Experimenten ermutigen zu wollen.

Die Rede war bisher von der Einzelmittel-Homöopathie, die nicht auf Grund einer Diagnose, sondern entsprechend der Ähnlichkeit zwischen Arzneiwirkung und Krankheitsbild verordnet wird. Dazu braucht es für den auf hohen Schulen ausgebildeten Mediziner ein energisches Umdenken - und das ist nicht leicht. Um dem gewohnten Denkvorgang entgegenzukommen, bietet die Pharmaindustrie die homöopathischen Komplexe an, in denen viele Arzneien zusammengestellt sind, die für gewisse Krankheiten oder Symptomenkomplexe anzuwenden sind. Man kann sie nach der Diagnose anwenden. Die Treffsicherheit der Komplexe ist natürlich weit geringer, trotzdem erfreuen sie sich großen Zuspruchs und werden nach dem Wortlaut der Gesetze ebenfalls als homöopathisch bezeichnet. Für die Hersteller ist es von Vorteil, dass sie solche Mittel unter geschützten Namen vertreiben können und damit trotz geringerer Lagerhaltung erheblich höhere Einkünfte erzielen. Das gilt entsprechend auch für den Apotheker.

Man kann die Komplex-Homöopathie mit einem Schrotschuss verleichen: trifft das eine Schrotkorn nicht, dann aber doch einige der anderen. Man kann wohl formulieren, dass sich die Qualität des homöopathischen Verordners daran erkennen lässt, ob er Einzelmittel verschreibt. Wenn in einer Arznei drei oder bis zu dreißig Komponenten enthalten sind, kann man wirklich nicht mehr sagen, was eigentlich geholfen hat. Hahnemann sprach von Bastard-Homöopathie; nennen wir sie die Homöopathie des kleinen Mannes. Die Pharma-Hersteller halten sich damit wirtschaftlich über Wasser und sind so im Stande, uns auch weiterhin die weniger einträglichen Einzelmittel bereitzustellen.