Selbstmedikation

Was versteht man unter Selbstmedikation?

Gehen wir vom Wort aus: Lateinisch "mederi" heißt heilen; "medicus" heißt der Heiler, zu Deutsch: der Arzt. "medicina" heißt vieles: die Heilkunde, wie sie gelehrt und gelernt wird, die Heilkunst, wie sie ausgeübt wird, und das Heilmittel, die Medizin oder Arznei. Medikation heißt so viel wie Verordnung von Arznei. Und Heilung bedeutet, dass ein Kranker wieder gesund wird.

Arzneien im strengeren Sinne sind also Stoffe, die einem Kranken zum Zweck der Heilung zugeführt werden. Im weiteren Sinne nennen wir auch solche Mittel Arzneien, die zwar nicht heilen, aber doch Schmerzen lindern, gestörte Funktionen bessern oder bei der Erkennung von Krankheiten (Diagnostik) helfen und dergleichen. Man kann Arzneien durch den Mund einnehmen, als Zäpfchen in den After einführen, mit Spritzen injizieren, mit der Atmung über die Lungen inhalieren, oder auch über die Haut in den Körper bringen. Wenn Arznei dorthin gebracht wird, wo sie wirken soll, handelt es sich um eine lokale Anwendung.

Von Selbstmedikation sprechen wir dann, wenn man als Laie keinen Heilkundigen fragt, weder den studierten Arzt noch den ausgebildeten Heilpraktiker, sondern unmittelbar beim Apotheker oder auch in Gottes freier Natur holt, was man arzneilich anwenden will. Der Apotheker kann zwar beraten, aber gelernt hat er als Pharmazeut von den Arzneien nicht ihre Wirkung und Anwendung, sondern ihre Herstellung und Bereithaltung. Unter Selbstmedikation muss nicht nur verstanden werden, was man für sich selbst höchstpersönlich, sondern auch bei Familienangehörigen oder Freunden anwenden will, ohne dass ein Behandlungsvertrag zustandekommt, der evtl. juristische Konsequenzen zeitigt.

Was spricht für, was gegen Selbstmedikation?

Wer selber eine Arzneiverordnung trifft, muss wissen, was er tut. Er/Sie übernimmt damit eine Verantwortung, die üblicherweise der Verordner trägt. Er/Sie muss auch selber bezahlen, was so erworben wird. Er/Sie macht sich also frei von der Entfremdung der Gesundheit durch Krankenkassen, wo jeweils andere mitzubestimmen haben, was geschieht. Er/Sie macht sich mündig in Gesundheitsdingen.

Die Änderungen, die in diesen Jahren das Gesundheitswesen betroffen haben, stehen großenteils unter dem Aspekt des Sparens. Dabei überwälzen die Krankenkassen teilweise oder ganz die Zahlung auf die Kranken. Diesen stellt sich dann die Frage, ob sie sich nicht auch den Arzt sparen wollen, wenn sie ohnehin die Arzneien zahlen müssen.

Ärzte sind skeptisch gegenüber der Selbstmedikation, weil ihr Rat nun nicht mehr gefragt ist. Ihnen entgeht Honorar und vielleicht auch das Erfolgserlebnis. Mündige, unabhängige Patienten sind kritischer und schwieriger im Umgang.

Viele Ärzte machen gern Bange und verunsichern ihre "Kranken" , indem sie Ängste schüren. Der Patient lässt sich verunsichern, und die Rolle des Kundigen wird dagegeb aufgewertet. Natürlich riskiert der Patient spätere Vorwürfe, wenn er etwa in einem fortgeschrittenen Stadium der Krankheit zurückkommt. Wenn er/sie dann schamhaft verschweigt, was schon unternommen wurde, leidet darunter beiderseits das Vertrauensverhältnis. Das alte Sprichwort: "Trau, schau wem" verstehe ich so, dass man vertrauen muss, aber gut aufpassen sollte, an wen man sein Vertrauen hängt. Ohne Vertrauen zum Arzt ist es äußerst schwer, geheilt zu werden.

Dem Apotheker kann es recht sein, ob er die Arzneien im Barverkauf abgibt oder mit den Kassen abrechnet. Er empfindet sich jedoch eher aufgewertet, wenn sein Rat anstelle der des Arztes in Anspruch genommen wird.